Bayerische

Beteiligungsgesellschaft mbH

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Geschäftsbericht

2019 / 20

Geschäftsbericht

2019 / 20

BayBG im Beteiligungsmarkt

Gut positioniert in herausfordernder Zeit

Die BayBG hat ein herausforderndes Geschäftsjahr 2019/20 erfolgreich beendet und ihren Beitrag zur Krisenbewältigung in Mittelstand und Startup-Szene geleistet, so das BayBG-Kurzresümee eines „historischen“ Jahres.

 

Während die Entwicklung des BayBG-Geschäftes in den ersten Monaten des Geschäftsjahres plangemäß verlief, veränderte die Coronakrise ab März 2020 die Situation grundsätzlich. Im Mittelpunkt stand bei Ausbruch der Krise zunächst die Stabilisierung des Portfolios. Parallel hierzu konnten jedoch bis Juni 2020 weitere Neuinvestments abgeschlossen werden. Im letzten Quartal des Geschäftsjahres sank die Nachfrage nach Eigenkapital, insbesondere KMUs konzentrierten sich in dieser Zeit sehr stark auf die Einwerbung der staatlichen Hilfsangebote. Insgesamt gelang es der BayBG, das Krisenjahr 2019/20 erfolgreich zu bewältigen und die Voraussetzungen zu schaffen, um KMUs und Startups bei der Bewältigung der Krisenfolgen sowie der Umsetzung von Vorwärtsstrategien mit Eigenkapital zur Verfügung zu stehen und mit Know-how zu begleiten.

Das Neugeschäft belief sich auf 34,5 Millionen Euro, die in 63 Unternehmen investiert wurden. Neben darin enthaltenen acht kleineren Engagements des neu strukturierten Geschäftsbereichs „Kleine & Junge Unternehmen“ bewegten sich die Einzelengagements zwischen 500.000 und mehreren Millionen Euro. Sie lagen damit im neu definierten Investmentfokus, der Beteiligungsangebote bis zu 7 Millionen Euro, in Einzelfällen bis zu 10 Millionen Euro pro Unternehmen umfasst. Die BayBG war auch im abgelaufenen Geschäftsjahr die aktivste und präsenteste Beteiligungsgesellschaft im bayerischen Markt.

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Trotz der vielfältigen Herausforderungen investierte die BayBG im vergangenen Jahr erneut in Unternehmen verschiedener Branchen und unterschiedlicher Unternehmenssituationen.

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BayBG-Neugeschäft in Millionen Euro

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BayBG-Neugeschäft nach Beteiligungsanlässen in Millionen Euro

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Weniger Expansionsfinanzierungen
Bereits während des Kalenderjahres 2019 waren in vielen Branchen konjunkturelle Unsicherheiten zu verzeichnen, begleitet von der insbesondere durch Digitalisierung und Klimawandel induzierten Notwendigkeit, Geschäftsmodelle zu transformieren. Mit Ausbruch der Pandemie stellten viele Unternehmen Expansionspläne zunächst zurück und konzentrierten sich auf die Krisenbewältigung. Die auf Expansions- und Mittelstandinvestments fokussierten Geschäftsbereiche Bayern Nord und Bayern Süd realisierten vor diesem Hintergrund Neuinvestments in Höhe von 16,2 Millionen Euro und damit weniger als im Schnitt der letzten Jahre. Ein typisches Beispiel eines Expansionsinvestments ist das Neu-Ulmer IT-Systemhaus s.i.g. GmbH, das mit 80 Mitarbeitern jährlich 25 Millionen Euro umsetzt. Details der Beteiligung waren bereits vor der Pandemie vereinbart, die geplanten Investitionen wurden von s.i.g. zu Beginn der Krise durchgeführt. Mit Mezzaninekapital der BayBG in siebenstelliger Höhe konnte das Unternehmen trotz Pandemie seine Wachstumspläne fortsetzen und sicher und langfristig finanzieren. 


Spannende Engagements in allen Bereichen
Die Coronakrise mit den resultierenden Unsicherheiten bezüglich Unternehmensplanung und -bewertungen beeinflusste auch das ansonsten eher konjunkturunabhängige Geschäft mit Unternehmensnachfolgen und Gesellschafterwechseln. Die BayBG realisierte trotzdem einige attraktive Investments. Breites Interesse und öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr dabei Ende 2020 die Übernahme von BitterPower („Bitterliebe“), bei der die BayBG neben ARCUS Capital AG als Co-Investor agierte und mit Eigenkapital sowie Mezzanine am Gesellschafterwechsel bei der führenden Marke für bitterstoffhaltige Nahrungsergänzungsmittel mitwirkte. 

Erfreulich stellte sich erneut die Positionierung des Geschäftsbereichs Venture Capital in der bayerischen Startup-Szene dar. Mit 8,9 Millionen Euro an Neu- und Folgeinvestments konnte die BayBG bei mehreren jungen Technologieunternehmen die Voraussetzungen zur Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle schaffen. So zählt die leon-nanodrugs GmbH, einer der führenden Entwickler für den Einsatz von Nanotechnologie in der pharmazeutischen Industrie, seit Anfang 2020 zum BayBG-Portfolio. Insgesamt ist das Venture-Capital-Portfolio um weitere 4 Millionen Euro auf 53,2 Millionen Euro gestiegen. Das Venture-Capital-Team stellte sich darüber hinaus ab Juli 2020 der Aufgabe, das Startup Shield Bayern, die Umsetzung der Säule 2 des Hilfsprogrammes von Bund und Land in Bayern, zu managen. 

Der Dealflow im Geschäftsbereich Turnaround hat mit Krisenbeginn erwartungsgemäß angezogen, die Erarbeitung von zukunftsfähigen Restrukturierungs- und Transformationskonzepten benötigt jedoch Zeit und wird vor dem Hintergrund der Unsicherheit der Coronakrise erschwert. Im Geschäftsjahr 2019/20 konnten Investments von 3,3 Millionen Euro realisiert werden. So übernahm die BayBG zum Beispiel eine Minderheitsbeteiligung an dem Spanntechnik-Unternehmen SAV GmbH und brachte gleichzeitig eine stille Beteiligung ein. Somit konnte die SAV, die mit Standorten in Nürnberg, Mittweida und Göppingen jährlich 27 Millionen Euro umsetzt, die bereits eingeleitete Entwicklung hin zum Engineering-Spezialisten weiter fortsetzen und den Restrukturierungsprozess der vergangenen Jahre erfolgreich abschließen. 

Das Angebot der BayBG an Klein- und Existenzgründungsbeteiligungen wurde im Geschäftsbereich KJU (Kleine & Junge Unternehmen) konzentriert. Kleinunternehmern und Existenzgründern werden dort zukünftig stille Beteiligungen bis zur Höhe von 250.000 Euro in einem effizienten Bearbeitungsprozess angeboten. Im Geschäftsjahr 2019/20 wurde ein Neugeschäft von 1,7 Millionen Euro realisiert. 


Säule 2 der Corona-Hilfen: Startup Shield und Eigenkapitalschild
Die Pandemie brachte zahlreiche Startups und kleinere Mittelständler trotz wettbewerbsfähiger Geschäftsmodelle in schwierige finanzielle Situationen. Um diesen wichtigen Sektoren der deutschen Wirtschaft in der Krise Zugang zu Beteiligungsangeboten zu eröffnen, starteten Bund und Land ein 2 Milliarden Euro umfassendes Hilfspaket, das auf verschiedenen Säulen beruht. Im Rahmen der so genannten Säule 2, die BayBG und Bayern Kapital als Intermediäre umsetzen, erhalten kleinere mittelständische Unternehmen und Startups, die noch keinen Zugang zu institutionellem Kapital haben, Direktbeteiligungen oder Mezzaninekapital bis zur Höhe von 800.000 Euro bzw. den im Rahmen der beihilferechtlichen Regelungen (Temporary Framework) zulässigen Höchstbeträgen. Mit dem „Eigenkapitalschild Bayern“ für den Mittelstand und dem „Startup Shield Bayern“ für technologieorientierte Startups wurden im Rahmen der Säule 2 zwei Angebote konzipiert, die große Nachfrage finden. Insgesamt sind bereits rund 50 Millionen Euro ausbezahlt bzw. zugesagt.


Kundennahe, individuelle Beteiligungen
Die Beteiligungen der BayBG zeichnen sich durch individuelle Gestaltung aus. Neben stillen Beteiligungen sind Lösungen mit Spezial-Mezzanine und Minderheitsbeteiligungen sowie Kombinationen aus verschiedenen Instrumenten der Beteiligungsfinanzierung möglich. Ziel ist ein Beteiligungsangebot, das auf die Situation und Ziele des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten ist. Der Bestand an Direktinvestments bzw. Minderheitsbeteiligungen beläuft sich zum Bilanzstichtag auf 55 Millionen Euro. Nicht nur bei Startups, auch bei etablierten Mittelstandsunternehmen werden die Vorteile einer Minderheitsbeteiligung immer häufiger erkannt, der Anteil am Gesamtportfolio der BayBG beträgt inzwischen 20,9 Prozent.


Langfristig und partnerschaftlich
Der Investmenthorizont der BayBG ist mit Haltedauern von 6 bis10 Jahren auf eine langfristige Partnerschaft ausgelegt, dennoch bleibt es eine Zusammenarbeit auf Zeit. Die vertragsgemäße Rückzahlung oder der Rückkauf der Beteiligung durch den Unternehmer bildet dabei häufig den mittelstandsfreundlichen Standardausstieg. In Partnerschaft mit anderen Investoren und Gesellschaftern des Unternehmens wirkt die BayBG aber auch an Unternehmensverkäufen (Exits) mit. Insgesamt beliefen sich die Bestandsabgänge durch Rückzahlungen / Exits im vergangenen Jahr auf 26,1 Millionen Euro. Damit ist insbesondere bei den Rückzahlungen von Mezzaninekapital wieder Normalität eingekehrt, nachdem diese im vorangegangenen Jahr 34 Millionen Euro erreicht hatten. 


„Tragbare“ Ausfallrate
Während des langjährigen Aufschwungs seit der Finanzkrise lag die durchschnittliche Ausfallquote zwischen 3 bis 4 Prozent. Sie ist im Geschäftsjahr 2019/20 auf 5,5 Prozent gestiegen, die Bestandsabgänge durch Ausfälle beliefen sich auf 16,5 Millionen Euro. Der BayBG gelang es unter Einbindung der öffentlichen Hilfsmaßnahmen und teilweise auch durch die Erhöhung bestehender Beteiligungen, viele Portfoliounternehmen zu stabilisieren. Keines der von Insolvenz betroffenen Unternehmen ist alleine aufgrund der Auswirkungen der Pandemie gescheitert, sie befanden sich vielmehr bereits vor dem Lockdown in Transformations- oder Restrukturierungssituationen. Die Ausfallquote ist vor dem Hintergrund des aktuellen Krisenszenarios nicht ungewöhnlich und war zum Beispiel während der Dotcom-Krise Anfang des Jahrtausends mit einem Wert von 7,1 Prozent deutlich höher. Die trotz des gesamtwirtschaftlichen Einbruchs beherrschbare Ausfallquote ist auf das kontinuierlich verbesserte Risiko- und Krisenmanagement, sowie die auf zukunftsfähige Geschäftsmodelle ausgerichtete und ausgewogene Investitionspolitik zurückzuführen. 


Positiver Jahresabschluss bei stabiler Finanzlage
Trotz des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds konnte die BayBG das Geschäftsjahr mit einem Jahresüberschuss von 2,3 Millionen Euro abschließen. Die Gesellschafter der BayBG ermöglichen eine langfristige Thesaurierungsstrategie. Auf dieser Grundlage kann die BayBG ihre Portfoliounternehmen ohne Exitdruck langfristig als starker Partner begleiten. Bei einer Bilanzsumme von 339 Millionen Euro beläuft sich das Eigenkapital auf 244,6 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote beträgt 72 Prozent.


Mittelfristig positive Geschäftsaussichten
Beteiligungskapital ist für den Mittelstand und Startups ein wichtiger Baustein zur Krisenbewältigung und zur Finanzierung von Investitionen und Vorwärtsstrategien. Die branchenübergreifende Aufstellung, die sich an etablierte Mittelstandsunternehmen ebenso wendet wie an Startups, ermöglicht es der BayBG, geeignete Lösungen für alle Finanzierungsanlässe anzubieten. Seit Ende 2020 nimmt die Nachfrage zu, in den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2020/21 wurden bereits 25 Millionen Euro investiert.

Vor diesem Hintergrund sind für das Geschäftsjahr 2020/21 Neuinvestments mit einem Volumen von mehr als 50 Millionen Euro geplant. In der Coronakrise kann die Entwicklung der einzelnen Portfoliounternehmen nur mit eingeschränkter Sicherheit prognostiziert werden. Dies erfordert eine konservative Risikovorsorge, gleichzeitig ist krisenbedingt mit geringeren Gewinnbeteiligungen zu rechnen. Für das Geschäftsjahr ist dennoch von einem positiven Jahresergebnis 2020/21 auszugehen. Die mittelfristige Planung der BayBG sieht auch über das Geschäftsjahr 2020/21 hinaus Neuinvestitionen im Bereich von 50 Millionen Euro pro Jahr, einen leichten Aufbau des Beteiligungsbestands, sowie eine stabile Ertragslage vor.

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Beteiligungsbestand in Millionen Euro

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BayBG-Portfolio nach Beteiligungsanlässen in Millionen Euro

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Anteil offener Beteiligungen am BayBG- Gesamtportfolio in Prozess. 

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