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Geschäftsbericht

2019 / 20

Geschäftsbericht

2019 / 20

BayBG im Überblick

„Wir investieren auch in herausfordernden Zeiten“

Die Corona-Pandemie hat Wirtschaft und Gesellschaft vor schwierige Herausforderungen gestellt und das Bruttoinlandsprodukt einbrechen lassen. Gleichzeitig verdeutlicht und verschärft die Pandemie den Veränderungs- und Anpassungsbedarf, dem sich insbesondere auch die mittelständische Wirtschaft stellen muss. Die BayBG begleitet den Mittelstand mit Eigenkapital und Know-how bei der Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen.

 

 

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Interview mit Peter Pauli

Herr Pauli, 2020 war ein „besonderes“ Jahr. Ihr Resümee für die BayBG?
Der dominierende Einschlag im Jahr 2020 war natürlich auch für die BayBG die Coronapandemie. Neben der Tatsache, dass sich unser Haus insbesondere beim Thema „Remote Work and Collaboration“ sozusagen über Nacht in einen Stand versetzt hat, den es sonst sicherlich erst mittelfristig erreicht hätte, lag unser Fokus auf der Stabilisierung des Portfolios, der Krisenbewältigung bei den Unternehmen, an denen wir beteiligt sind. Gleichzeitig haben wir aber auch relevante Neuinvestments getätigt und ab August das Management des Startup Shields sowie des Mittelstandsschilds – also die Umsetzung der Säule 2 des Zwei-Milliarden-Euro-Programms von Bund und Land – für Bayern übernommen. Die aufgrund unseres abweichenden Geschäftsjahres bereits im Oktober 2019 verabschiedeten Planziele haben wir nicht erreichen können, die BayBG hat sich aber in der Krise durchweg gut geschlagen und ihren Beitrag zur Krisenbewältigung im Mittelstand und in der Startup-Szene geleistet.

Was verstehen Sie unter Stabilisierung des Portfolios?
Wir begleiten unsere Unternehmen nicht nur mit Kapital, sondern auch mit ergänzenden Dienstleistungen. Gerade in der schwierigen Situation erwies sich unser über Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk als besonders wichtig und hilfreich. Mit unseren engen Verbindungen zu Banken, Beratern und zu öffentlichen Stellen konnten wir für von der Krise betroffene Unternehmen aktiv werden und gemeinsam nach adäquaten Lösungen suchen. Zum Teil haben wir auch Beteiligungen an Unternehmen erhöht, um die Voraussetzungen für Hilfskredite oder andere Finanzierungsmaßnahmen zu schaffen.

Konnten Sie so Insolvenzen und Ausfälle in Ihrem Portfolio vermeiden?
Nicht in jedem Einzelfall, aber doch weitgehend. Die Ausfälle aufgrund von Insolvenzen beliefen sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 16,5 Millionen Euro, waren also höher als im Schnitt der letzten Jahre. Keines der betroffenen Unternehmen ist dabei ausschließlich an den Auswirkungen der Corona-Krise gescheitert. Die Unternehmen befanden sich bereits vor dem Lockdown in Restrukturierungs- und Krisensituationen und es gab deshalb keine realisierbaren Lösungen mehr, die zusätzlichen Belastungen aus der Coronakrise zu tragen.

Aber nicht nur im BayBG-Portfolio, in der ganzen Wirtschaft war die Insolvenzrate geringer als zuerst befürchtet.
Die deutsche Wirtschaft hat seit der Finanzkrise eine langjährige Aufschwungphase durchlaufen, die meisten Unternehmen befanden sich bei dem Ausbruch der Pandemie in einer sehr guten Verfassung. Die staatlichen Hilfsmaßnahmen, insbesondere die Instrumente bei der Kreditfinanzierung, haben die Liquiditätsversorgung der Wirtschaft in vielen Sektoren gesichert und damit sicherlich einen entscheidenden Beitrag zur Krisenbewältigung geleistet. Die öffentliche Diskussion konzentriert sich auf die vom Lockdown unmittelbar und hart betroffenen Branchen. In vielen anderen Sektoren, beispielsweise der Industrie, sind die Auswirkungen der Krise jedoch noch beherrschbar, das sehen wir auch in unserem Beteiligungsportfolio. Ein weiteres Indiz für eine in 2020 überraschend stabile Situation in vielen Branchen war beispielsweise auch die sehr schwache Nachfrage nach Eigenkapitallösungen im zweiten Halbjahr.

Hat sich das inzwischen geändert?
Nach jüngsten Studien sind etwa 40 Prozent der Unternehmen von verlustbedingten Rückgängen des Eigenkapitals betroffen. Dementsprechend – das belegt auch der Dealflow der BayBG – beschäftigen sich wieder mehr Unternehmen mit den Möglichkeiten der Beteiligungsfinanzierung.

Die Unternehmen setzen dieses neue Kapital zur allgemeinen Eigenkapitalerhöhung und Krisensicherung ein?
Viele Indikatoren deuten auf eine konjunkturelle Aufwärtsentwicklung hin. Um wieder zu expandieren, Zukunftsprojekte und Investitionen anzugehen, ist eine adäquate Kapitalstruktur und damit auch eine dem Geschäftsmodell angemessene Eigenkapitalquote wichtig. Viele Unternehmen waren darüber hinaus gezwungen, Verschuldungsspielräume für die Liquiditätssicherung in der Krise zu nutzen und benötigen jetzt zusätzliches Eigenkapital.

An welche Finanzierungsanlässe denken Sie?
Expansion, Digitalisierung, Einsatz und Entwicklung neuer Technologien, Transformation der Geschäftsmodelle – zum Beispiel im Automotive-Sektor, Energiewende. Die deutsche Wirtschaft befand sich bereits vor der Coronakrise in einer Phase des technologisch induzierten Umbruchs, die Herausforderungen sind weiter gestiegen.

Im etablierten Mittelstand stand im vergangenen Jahr die Stabilisierung im Fokus. Die BayBG ist aber breiter aufgestellt …
… ja, wir engagieren uns weiterhin in allen Unternehmensphasen.

Ist dabei das Thema Nachfolgeregelungen mit der Coronakrise nicht zu kurz gekommen?
Natürlich ist eine Krise, zumindest für Unternehmenseigentümer, nicht der optimale Zeitpunkt, um Nachfolgelösungen anzugehen. Das eine oder andere Nachfolgeprojekt wurde sicherlich zurückgestellt. Dennoch gab es in diesem Segment in den letzten Monaten immer wieder interessante Anfragen und die BayBG hat an einigen Nachfolgelösungen mitgewirkt.

Und was ist mit den Startups?
Grundsätzlich ist auch für Startups die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells, der Markteintritt oder die Einwerbung neuer Finanzierungsrunden in der Krise schwieriger. Andererseits befeuert und beschleunigt die Pandemie insbesondere die Digitalisierung, vielen jungen Unternehmen eröffnen sich neue Chancen. Aktuell sehen wir auch bei Investoren keine relevante Zurückhaltung mehr. Im Geschäftsbereich Venture Capital haben wir im abgelaufenen Geschäftsjahr 8,9 Millionen Euro investiert, auch im laufenden Geschäftsjahr stehen wir vor den Abschluss interessanter Investments. Zusätzlich hat die BayBG seit August 2020 zusammen mit Bayern Kapital das Management des Startup Shields für Bund und Land übernommen und damit bisher über 70 Startups geholfen, die Folgen der Coronakrise zu bewältigen.

Wie entwickelt sich der Investmentfokus der BayBG angesichts der aktuellen Gegebenheiten?
Während sich Fremdkapitalgeber eher an Bilanzkennzahlen und Ratings orientieren müssen, stehen bei uns Management, Geschäftsmodell und Zukunftsperspektiven im Vordergrund. Wir werden auch in diesem Geschäftsjahr – unabhängig von der Coronakrise – in langfristig zukunftsfähig aufgestellte Unternehmen investieren, die ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln. Der Investmentfokus der BayBG liegt in Zukunft bei Beteiligungsvolumina von bis zu sieben Millionen Euro, in Ausnahmefällen von bis zehn Millionen Euro, die wir sowohl mit Mezzanine als auch mit Minderheitsbeteiligungen darstellen können. Im Vergleich zu früher stehen wir also mit höheren Beteiligungen zur Verfügung. Wir haben aber weiterhin ein Angebot für Kleinunternehmen, das Team im neu geschaffenen Geschäftsbereich KJU (Kleine & Junge Unternehmen) steht für Beteiligungen bis 250.000 Euro.

Wie ist Ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2020/21?
In den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahrs 2020/21 haben wir bereits 25 Millionen Euro investiert, insgesamt erwarten wir für das laufende Geschäftsjahr ein deutlich besseres Neugeschäft als 2020. Wegen der weiterhin unklaren Situation haben wir im Plan eine erhöhte Risikovorsorge vorgesehen, dennoch rechnen wir mit einem positiven Jahresergebnis.

Mit Peter Herreiner haben Sie einen neuen Kollegen in der Geschäftsführung. Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit?
Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Peter Herreiner hat viel Erfahrung und Kompetenz in der Mittelstands- und Beteiligungsfinanzierung, er ist eine sehr führungserfahrene Persönlichkeit. Gemeinsam werden wir zunächst daran arbeiten, die Coronakrise zu bewältigen, um anschließend die Positionierung der BayBG als marktführendem Beteiligungspartner des Mittelstands weiter auszubauen.

PETER PAULI
Diplom-Kaufmann
Sprecher der Geschäftsführung

PETER HERREINER
Diplom-Ökonom
Geschäftsführer
seit 01. Februar 2021

Zuständigkeitsbereiche:
Bayern Süd, Unternehmensnachfolge,
Kleine & Junge Unternehmen

Frühere berufliche Stationen (Auswahl):
– Teamleiter „Acquisition & Leveraged Finance“ der HVB
– Leiter „Corporate Structured Finance“ der HVB
– Leiter „Financing & Advisory“ der UniCredit Bank Austria
– Leiter Firmenkundengeschäft Bayern Süd der HVB-UnternehmerBank

„Unser Fokus liegt weiterhin auf Mezzanine und Minderheitsbeteiligungen bis zu 7 Millionen Euro pro Unternehmen, in Einzelfällen können wir bis zu 10 Millionen Euro investieren.“

Peter Pauli

Interview mit Peter Herreiner

Herr Herreiner, Sie sind seit 1. Februar Geschäftsführer der BayBG. Ihre ersten Eindrücke?
Auch wenn ich als Geschäftsführer erst seit einigen Wochen für die BayBG tätig bin, eine Unbekannte ist sie für mich keineswegs. So habe ich als Stellvertretender Vorsitzender des BayBG-Aufsichtsrats bereits seit 2017 die strategische Ausrichtung mitgestaltet. Aufsichtsrat und Geschäftsführung sind aber sicherlich zwei Paar Schuhe. Als operativ tätiger Geschäftsführer registriere ich heute noch mehr und schätze ich jeden Tag aufs Neue die umfangreiche Erfahrung der Kolleginnen und Kollegen und mit welcher Professionalität und welch konsequentem Engagement und Commitment sie Transaktionen für unsere Kunden strukturieren und die Portfoliounternehmen der BayBG kontinuierlich begleiten. Da sind junge Hochtechnologie-Startups neben Jahrzehnte alten Traditionsunternehmen, IT-Entwickler neben Freizeitparks. Manchen helfen wir in vorübergehend schwierigen Zeiten bei der Bewältigung einer Durststrecke – und das sind derzeit einige mehr als sonst –, manchen dabei, neue Wachstumschancen zu nutzen, die sie aus eigener Kraft nicht hätten finanzieren können, anderen wieder bei der Umsetzung einer tragfähigen Unternehmensnachfolgelösung. Ein faszinierender, erfrischend bunter Blumenstrauß an unterschiedlichsten Unternehmen und Bedarfen.

Sie waren lange Jahre im Bankgeschäft tätig. Was bringen Sie in die BayBG ein?
Zunächst einmal sehr viel Verständnis für das Geschäft. Im Laufe meiner Bank-Karriere habe ich in vielen Funktionen auf der Finanzierungsseite gearbeitet. Zum Beispiel war ich als Leiter der Abteilung „Structured Finance“ bei der HVB sehr lange Jahre für komplexe Finanzierungen zuständig. Zwar Fremdkapital, aber in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich dem, was die BayBG auf der Mezzanine- und Eigenkapitalseite macht. Auch wir haben schon damals – ebenso wie die BayBG – viel Wert auf eine maßgeschneiderte und ausgewogene Finanzierung gelegt und auf eine tragfähige und wirklich am Bedarf des Unternehmens orientierte Kapitalstruktur. Hier denke ich, dass ich mit meiner Erfahrung und meinem Netzwerk neue Impulse setzen kann. Gemeinsam mit der BayBG habe ich bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte erfolgreich realisiert. Früher stand ich für Fremdkapital, jetzt für Eigenkapital. Das Ziel bleibt das gleiche: Die effiziente und erfolgreiche Finanzierung des bayerischen Mittelstands.

Welche neuen Schwerpunkte wollen Sie setzen?
Die BayBG war in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich unterwegs. Und bewährte Geschäftsmodelle sollte man nicht grundlegend ändern. Neu erfinden brauche und werde ich die BayBG nicht. Die hat ein sehr professionelles und gleichzeitig sympathisches Profil als Equity-Partner im und für den bayerischen Mittelstand. Selbstverständlich werde ich meine langjährige Erfahrung in der strukturierten Mittelstandsfinanzierung einbringen. Ich werde daher sicher auch besonderes Gewicht auf eine noch intensivere Zusammenarbeit mit anderen Kapitalgebern legen.

„Ich schätze jeden Tag aufs Neue die Professionalität der Kolleginnen und Kollegen.“

PETER HERREINER