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Geschäftsbericht

2019 / 20

Geschäftsbericht

2019 / 20

BayBG und Mittelstand

Gastbeitrag von Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW

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Eigenkapitalsituation des Mittelstands trotz der Krise noch relativ stabil – Transformation erfordert starke Eigenkapitalbasis

Anfang März 2020 erreichte die Covid-19-Pandemie Deutschland und führte zu einem historischen Einbruch der Wirtschaftsleistung, der in Geschwindigkeit, Tiefe und Breite einzigartig war. Kaum eine Branche blieb von den Eindämmungsmaßnahmen verschont, die nötig waren, um eine Überlastung der Gesundheitssysteme zu verhindern. Mit einem Rückgang des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um 5 Prozent ist die deutsche Wirtschaft im Corona-Jahr 2020 in eine tiefe Rezession gerutscht. Dank einer leichten Erholung in den Sommermonaten lief diese dennoch glimpflicher ab als erwartet.

 

3 Millionen Unternehmen betroffen 

Auch der Mittelstand als Motor der deutschen Wirtschaft blieb davon nicht verschont. Die Corona-Krise beendete ein für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland weitestgehend glänzendes Jahrzehnt, in dem Umsätze und Beschäftigung kräftig ausgeweitet wurden. KfW Research begleitet die Folgen der Corona-Krise für den deutschen Mittelstand seit deren Ausbruch kontinuierlich mit repräsentativen Sonderbefragungen im Rahmen des KfW-Mittelstandspanels. Deren Ergebnisse zeigen: rund 80 Prozent der KMU – etwa 3 Millionen Unternehmen – waren im Frühjahr 2020 von der Corona-Krise betroffen, zum Beispiel durch Umsatzeinbrüche, Mitarbeiterausfälle oder Störungen in den Lieferketten. Aber auch im Jahr 2021 hält die Corona-Krise den Mittelstand in Atem. Im Januar 2021 kämpften noch immer rund 2,6 Millionen KMU (68 Prozent) mit den Folgen der Pandemie. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau erwarten viele KMU erst Ende des laufenden Jahres.

Dabei machen Umsatzeinbußen aufgrund von Nachfragerückgängen den Unternehmen am häufigsten zu schaffen. Im Frühjahr 2020 hatten rund sechs von zehn Mittelständlern Umsatzrückgänge zu beklagen. Trotz erneutem Lockdown in den Wintermonaten ging dieser Anteil bis Januar 2021 dank der Anpassungskraft der Unternehmen und der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen deutlich zurück – er bleibt mit 45 Prozent dennoch hoch. In der Folge dürften nicht wenige Unternehmen im vergangenen Jahr in die Verlustzone gerutscht sein und werden auch in diesem Jahr Probleme haben Gewinne zu erwirtschaften. Dies zehrt am Eigenmittelpolster der Unternehmen. Zusätzlich mussten zahlreiche KMU im Laufe der Krise Kredite aufnehmen, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Dies setzt die Eigenkapitalquoten der Unternehmen weiter unter Druck. 

 

31 Prozent der KMU: Eigenkapitalquote gesunken 

Aktuell rechnen daher etwa 31 Prozent der KMU damit, dass ihre Eigenkapitalquote unter dem Vorkrisen-Niveau liegt. Sind die Unternehmen von Umsatzrückgängen betroffen, liegt dieser Anteil sogar bei 45 Prozent. Gleichzeitig konnten aber rund vier von zehn Mittelständlern ihre Eigenkapitalquote stabil halten und 11 Prozent diese sogar steigern – trotz der Schwere der Krise. Ebenso positiv ist zu bewerten, dass sich die Einschätzung der KMU im Januar im Vergleich zur Erhebung im Herbst 2020 nicht weiter verschlechtert hat. Trotz zweitem Lockdown ist die Kapitalstruktur der Unternehmen stabil geblieben. Die zahlreichen staatlichen Hilfsmaßnahmen dürften hier eine entscheidende Rolle gespielt haben. Ebenso haben viele Unternehmen aus den Erfahrungen des Vorjahrs gelernt und neben Geschäftsmodellen auch Kostenstrukturen angepasst. Die Gefahr einer Überschuldung in der Breite des Mittelstands ist daher überschaubar. Dies liegt auch daran, dass die Eigenmittelausstattung der Mittelständler vor der Krise im Durchschnitt äußerst solide war. Seit der Jahrtausendwende kannten die Eigenkapitalquoten im Mittelstand nur eine Richtung: aufwärts. Im Jahr 2019 erreichte die durchschnittliche Eigenkapitalquote einen neuen Rekordwert von 31,8 Prozent – ein Plus von mehr als 13 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2002. Gleichzeitig ging der Anteil von KMU mit einer niedrigen Eigenkapitalquote merklich zurück, während sich der Anteil sehr gut kapitalisierter KMU fast verdoppelte. Dies hat die Resilienz des Mittelstands gegenüber Krisen deutlich gestärkt und hilft den Unternehmen, in der aktuellen Situation Verluste über eine längere Zeit bilanziell zu verkraften.

 

Stärkung des Eigenkapitals bleibt wichtige Aufgabe

Ungeachtet eines in der Breite des Mittelstands noch immer soliden finanziellen Fundamentes: die Corona-Krise wird tiefe Spuren hinterlassen. Nicht nur in den Bilanzen zahlreicher Unternehmen, sondern auch in den Köpfen der Unternehmerinnen und Unternehmer. Durch die aktuelle Krisenerfahrung könnte der Wunsch nach finanzieller Stabilität durch Wiederauffüllen der liquiden Reserven sowie Stärkung der Eigenkapitalausstattung in den Vordergrund rücken. Eigenkapital ist für viele Unternehmen jedoch ebenso die zentrale Ressource für die Finanzierung von Investitionen und Innovationen und somit für Strukturwandel und Wachstum. Es besteht die Gefahr, dass aufgrund dieses Zielkonflikts zukunftsgerichtete Investitionen in den Wachstumsfeldern Digitalisierung und Klimaneutralität zunächst unterbleiben. Die Wirtschaftspolitik hat verschiedene Ansatzpunkte, um gegenzusteuern. Sie kann versuchen, die Unsicherheit für Geldgeber zu reduzieren oder die Finanzierungskosten für die Unternehmen zu senken. Angesichts der Herausforderungen, die der Wandel zu einem nachhaltigen und klimaschonenden Wirtschaften mit sich bringt, bleibt die Stärkung der Eigenkapitalbasis insbesondere des Mittelstands und der jungen, innovativen Unternehmen eine zentrale Aufgabe. Hierbei übernehmen die am Mittelstand orientierten Beteiligungsgesellschaften, wie zum Beispiel die BayBG in Bayern, seit Jahren eine wichtige Funktion. Unabhängig davon sind die Förder- und Finanzinstitute des Bundes und der Länder gefordert, mit bedarfsgerechten Beteiligungsmodellen die Unternehmen im Wandel zu begleiten, der vor ihnen liegt.

"Am Mittelstand orientierte Beteiligungsgesellschaften übernehmen wichtige Funktionen."

FRITZI KÖHLER-GEIB